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Grafschaftsmuseum Wertheim 2
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Museumsstücke
 
 

Hungerbrötchen von 1816

 
 
Hungerbrötchen 1816

Wertheim. Über den seit Tagen in der Presse gefeierten 200. Geburtstag eines Brötchens aus Bayern freut man sich auch im baden-württembergischen Wertheim. Auch hier wird im Biedermeierzimmer des Grafschaftsmuseums ein im wahrsten Sinne altbackenes Brötchen verwahrt. Allerdings ist dieses Wertheimer Exemplar noch ein Jahr älter als Bayerns älteste Semmel!

Das im Grafschaftsmuseum ausgestellte Brötchen (Inventarnummer 1465) kam bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in die damalige Sammlung des Historischen Vereins und wurde in der sogenannten Altertumshalle in der Kilianskapelle ausgestellt. Der „Hungerweck von 1816“ wie er im alten Inventarbuch genannt wird, befindet sich in einem Holzkasten und ist hinter Glas gerahmt. Innen ist der Kasten leuchtend blau gestrichen, was wohl zur Abwehr von Fliegen dienen sollte, und mit Luxuspapier ausgekleidet. Deutlich sichtbar wurde auf der Rückwand hinter dem Brötchen die Jahreszahl 1816 angebracht. Aufbewahrt wurde es zur Erinnerung an die Hungersnot, die 1816/17 nicht nur Wertheim heimgesucht hatte. Vor Ort ist diese Zeit aber auch durch das Hungerdenkmal von 1819 belegt, das sich heute im Technoseum in Mannheim befindet und von dem eine Kopie im Park hinter dem Wertheimer Hofgartenschlösschen aufgestellt wurde. Dieses Denkmal hatte die Bevölkerung, als „Denkmal der Dankbarkeit für die großen Opfer, welche das durchlauchtigste Fürstenpaar Georg und Ernestine zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg zur Zeit der größten Not 1816/17 durch Anlegung dieses Wegs den Armen und Notleidenden dargebracht hat“, gestiftet. Auf der Seite heißt es weiter: „Zu dieser Zeit 1816/17 kostete der sechs Pfund schwere Laib Brot 57 Kreuzer und das Simri Kartoffeln 2 Gulden 24 Kreuzer.“

Ein weiteres Hungerdenkmal wurde 1842 nach einem neugotischen Entwurf von August Moosbrugger, badischer Architekt und Bauinspektor, errichtet und steht heute (in Kopie) auf dem Haidhof oberhalb der Stadt Wertheim. Ein weiteres Hungerdenkmal kam nicht zur Ausführung, hiervon zeugt nur ein Gipsmodell von 1893, das Wilhelm Weimar (Wertheim 1857 – 1917) entwarf, der als Professor am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg tätig war. Dieses Modell, das wie das Brötchen im Grafschaftsmuseum aufbewahrt wird, war eines der ersten Objekte der Museumssammlung.

Weitere Zeugnisse dieser Zeit sind Hungertaler aus Metall, Papier und Farblithografien aus der Zeit um 1817, von denen sich ebenfalls ein Exemplar in der Museumssammlung befindet. Die weit verbreiteten Schraubtaler des Nürnbergers Johann Thomas Stettner erzählen die Geschichte der Hungerkrise. Auf der einen Seite der Papiertaler wurde die Missernte und auf der anderen Seite die Rettung dargestellt.

Wie kam es also zu diesem Hungerjahr, an das die Menschen durch diese verschiedenen Objekte erinnerten?

Außergewöhnlich heftige Regenfälle und niedrige Temperaturen zerstörten 1816 weitgehend die Ernte. Im Winter 1816/17 brach in ganz Süddeutschland eine Hungersnot aus. Die Missernte verteuerte alle Lebensmittel. Die meisten Handwerker und Tagelöhner, die mit einem täglichen Verdienst von 15 bis 30 Kreuzern auskommen mussten, konnten sich kaum das Lebensnotwendige leisten. Museumsmitarbeiter Kurt Bauer hat in seinen Recherchen zu einer früheren Ausstellung im Grafschaftsmuseum angemerkt: „Bereits das Jahr 1815 begann in Deutschland kühl und regnerisch. Das Frühjahr kam spät. Durch die napoleonischen Truppen und den Durchzug der Heere waren die Felder verwüstet und die Vorräte aufgebraucht. Pferde, die man zur Feldarbeit brauchte, waren zu Tausenden abgeschlachtet worden. Am 10. April 1815 kam es zum heftigsten Vulkanausbruch in der jüngeren Menschheitsgeschichte. Von dem damals etwa 4000 m hohen Strato-Vulkan Tambora, auf der östlich von Java gelegenen Insel Sumbawa, schossen riesige Feuersäulen in die Höhe, ein Ascheregen verdunkelte im weiten Umkreis den Himmel und bedeckte innerhalb kurzer Zeit die umliegenden Dörfer und Felder. Begünstigt durch die Äquatornähe des Ausbruchs wurden die Millionen von Tonnen aus Asche, Staub und Aerosolen aus Sulfat in der Atmosphäre der nördlichen Hemisphäre verteilt.“

Eine Folge dieser Katastrophe im indonesischen Archipel zeigten sich noch im gleichen Jahr in Europa. Es wurde ein lang andauerndes Dämmerlicht, eigenartige Streifen am Himmel und vor allem glutrote Sonnenuntergänge beobachtet. Maler wie Caspar David Friedrich (1774-1840) und William Turner (1775-1851) fingen diese Stimmungen in ihren Bildern ein. Auch das folgende Jahr 1816 war in Deutschland und Westeuropa insgesamt zu kalt und nass, was dazu führte, dass Getreide nicht ausreifen konnte, es verfaulte teils schon am Halm. Es schneite im Sommer und im August setzte bereits der Frost ein. Die Getreidepreise schossen in die Höhe und Brot war kaum zu bekommen, geschweige denn, bezahlbar. Leibschmerzen vom Brot aus dem verdorbenen Getreide waren die Begleiterscheinungen. Um die Brotpreise nicht ins Uferlose steigen zu lassen, steuerten die Bäcker dagegen, indem sie buchstäblich kleinere Brötchen backten. Diese so genannten Hungerbrötchen wurden zudem noch mit Sägemehl und Stroh gestreckt. „Aus Brennnesseln, Sauerampfer und Gras kochte man Suppen und aus der Schweiz wurde berichtet, dass man dort in der größten Not Moos und Flechten aß. Auch manches Haustier, wie Hund und Katze, fiel dem Hunger zum Opfer. Im Großherzogtum Baden schützte man Erntefuhrwerke und Bäckereien vor Plünderungen. Um nicht zu verhungern, wanderten Zehntausende aus Baden und Württemberg nach Amerika aus, ohne zu wissen dass man sich dort bereits aus New York und den Neu-Englandstaaten selbst auf dem Weg nach dem sonnigen und warmen Kalifornien gemacht hatte, um der dort herrschenden Kältewelle zu entgehen. Das Hungerjahr 1816 ging unter den Namen „Jahr ohne Sommer“ oder „Schneesommer“ in die Geschichte ein.“, so Bauer.

Die meisten Historiker schenkten der gravierenden Klimaveränderung in den Jahren 1816-19 wenig Beachtung, sie sahen vielmehr das Ende der napoleonischen Kriege als Ursache für die Hungersnot an.

Das wertvolle Wertheimer Hungerbrötchen wurde 2005 im Mainfränkischen Museum in Würzburg, wo es auch in einer Sonderausstellung zu sehen war, restauriert. Um es vor Verfall und Insektenbefall zu schützen wurden das Brötchen und der dazugehörige hölzerne Kasten gefestigt. Jetzt steht es wieder im Biedermeierzimmer des Grafschaftsmuseums als Mahnung an überstandene Not inmitten der Zeugnisse des in der Mitte des 19. Jahrhunderts neu zu Wohlstand gekommenen Bürgertums.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Fußwärmer

 
 
Fußwärmer

Zu den ganz frühen Objekten der Sammlung des Historischen Vereins, die heute im Grafschaftsmuseum bewahrt werden, gehört das heute vorgestellte Museumsstück. Es handelt sich nicht wie man vermuten könnte um eine Laterne, sondern um einen Behälter für glühende Kohlen. Der kleine tragbare Ofen (Inv.-Nr. 396) ist aus Messing. Er trägt die Inschrift "M. M. K. 1768" und kam vor 1905 als Geschenk der Familie Kritzler in die Sammlung. Messing, eine Legierung aus Kupfer und Zink, ist hart und läuft nicht so schnell an. Im Haushalt war und ist es auch wegen der goldfarbenen Oberfläche beliebt. Deshalb ist das Objekt auch Teil der neuen Sonderausstellung "Gold und Silber lieb ich sehr", die Ende November eröffnet wird. Denn nicht nur Goldenes, sondern viele ebenfalls glänzende Preziosen aus anderen Materialien werden dafür aus dem Depot des Museums geholt.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Foto: Kurt Bauer

 
 
 

Haararbeit

 
 
Haararbeit

Dieses Blumengesteck unter Glas brachten Christine und Ernst Sachs in das Grafschaftsmuseum. Es handelt sich dabei um eine biedermeierliche Haararbeit (Inventarnummer 20588). Tatsächlich sind alle Blüten aus Haaren gefertigt und als Gesteck in einer handbemalten Porzellanvase arrangiert. Das über 30 cm hohe Museumsstück steht auf einem Holzsockel, den eine Borte aus Wolle verziert. Diese kunsthandwerklichen Arbeiten waren in der Mitte des s19. Jahrhunderts beliebt. In der Zeit des Biedermeier pflegte man Freundschaftskult und Familiensinn durch symbolträchtige Geschenke und Andenken. Im Grafschaftsmuseum befinden sich mehrere Arbeiten aus Haaren in Form von in Goldrahmen präsentierten Blütenkränzen sowie Armbänder, Ringe und Uhrenketten, die aus Haaren geflochten wurden. Zum Totengedenken wurden Haare zusammen mit Golddrähten und religiösen Symbolen unter Glasstürzen plastisch ausgestellt. Nicht nur als Trauerschmuck, sondern auch zur Erinnerung an Taufe, Verlobung oder Hochzeit wurden Haare von Familienmitgliedern kunstvoll verarbeitet aufbewahrt. Von und für wen das neue Museumsstück um 1860 gefertigt wurde, ist unbekannt. Es wird nun im Biedermeierzimmer des Museums ausgestellt.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Foto: Kurt Bauer

 
 
 

Federzeichnung

 
 
Inventarnummer 20435

Das kleine Bildchen (Inventarnummer 20435) konnte der Historische Verein im vergangenen Jahr für das Grafschaftsmuseum erwerben. Es handelt sich um eine gerahmte Federzeichnung des Mondfelder Malers Josef Futterer (1871-1930). Zusammen mit seinem Bruder August war er schon seit 1885 in München ansässig und bald als Maler erfolgreich. Das 1887 datierte Bild des 16jährigen Josef könnte also schon in München entstanden sein, wo der berühmte Maler Defregger ihn bei der Akademie abgewiesen hatte mit der Begründung, er könne ihm nichts mehr beibringen. Die Brüder kamen aber auch regelmäßig zurück nach Mondfeld, wo sie die Bewohner in ihren Zeichnungen porträtierten und liebevoll karikierten, denn beide arbeiteten zeitweise für das Satiremagazin „Meggendorfer Blätter“. Die colorierte Federzeichnung ist signiert und somit Josef zuzuordnen. Dargestellt ist ein Bauernkind, das einem Mann – vielleicht der Großvater – bei der Arbeit zuschaut. Der ältere Mann hat ein nicht erkennbares Werkzeug, mit dem er an der Gartenbank etwas bearbeitet. Im Hintergrund sieht man Räder eines Fuhrwerks. Im Grafschaftsmuseum sind den beiden außergewöhnlichen Künstlern drei Räume gewidmet, in denen man auch die fotografisch genauen Zeichnungen von August und Josefs Ölporträts prominenter Münchner aus der Zeit um 1900 bewundern kann.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Puppenstube

 
 
Puppenstube - Inventarnummer 20641

Diese abgebildeten Möbelstücke gehören zu einem Museumsstück, das eine begeisterte Besucherin aus Bad Camberg dem Grafschaftsmuseum überließ. Nach Besichtigung der Abteilung "Kinderland-Zauberland" mit historischen Puppen und Puppenstuben fragte sie an, ob man auch an ihrer Puppenstube Interesse habe. Zwar nicht aus Wertheim, aber trotzdem ein Objekt mit Geschichte, nahm das Museum es gern in die Sammlung auf. Die Überbringerin der Zweizimmer-Puppenstube mit umfangreichem Zubehör (Inventarnummer 20641) berichtet, ihr Großvater sei 1914 als Unteroffizier der Infanterie durch einen Granatsplitter in Frankreich verwundet worden und nutzte seinen Aufenthalt im Lazarett in Lampertheim/Hessen, um das Gehäuse und die Möbel für seine Tochter anzufertigen. "Die Möbel bestehen aus Zedernholz, das er aus Zigarrekisten gewann und geben fast originalgetreu die Wohnungseinrichtung meiner Großeltern wieder". Das komplette Museumsstück mit den vielen selbstgebauten Möbeln und zugekauften Gegenständen wird in der für nächstes Jahr geplanten Ausstellung zum 1. Weltkrieg gezeigt werden. Weitere Objekte aus dieser Zeit nimmt das Grafschaftsmuseum gern entgegen.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Puppe (Inventarnummer 20352)

 
 
Puppe - Inventarnummer 20352

Dieses neuaufgenommene Museumsstück (Inventarnummer 20352) erhielt das Grafschaftsmuseum mit folgendem Lebenslauf: "Ich heiße "Betty" und kam mit meiner Puppenmama Gertrud Bauer 1945 aus Schlesien nach Kreuzwertheim". Überbracht wurde es von der Schwiegertochter, die vermutet, das Puppenkind sei um 1925 "geboren". Die Familie Bauer kam aus Schlesien zunächst nach Magdeburg und später nach Kreuzwertheim. Die auf diesem Weg mitgebrachte Puppe ist etwa 30 cm hoch und aus verschiedenem Baumwoll- und Trikotstoffen genäht und mit Watte und Holzwolle gefüttert. Die Haare sind aus gekräuselter Wolle. Später erhielt sie ein selbst gehäkeltes Kleid mit passender Haube. Trotz ihrer rund 90 Jahre ist die Puppe gut erhalten, nur im Gesicht hat sie starke Gebrauchsspuren, die davon zeugen, dass die Puppenmutter sie sehr geliebt hat. Auffällig sind die sogenannten "Schelmenaugen", die je nach Bewegung umherkullern. Diese vor allem unter dem englischen Begriff "googly dolls" bekannten Puppen wurden ab 1912 von verschiedenen deutschen Puppenmanufakturen wie Armand Marseille oder Kämmer und Reinhardt - meist aber mit Porzellanköpfen - hergestellt und stellen ein eigenes Sammelgebiet dar. Im Grafschaftsmuseum wird die Puppe aber der Rubrik "geflüchtetes Gut der Heimatvertriebenen" zugeordnet werden.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Puppe (Inventarnummer 19208)

 
 
Puppe - Inventarnummer 19208

Als Geschenk der Geschwister Rübesam aus Wertheim kam diese Puppe (Inventarnummer 19208) in das Grafschaftsmuseum. Die etwa 30 cm große Dame erinnert an eine Sindy- oder Barbiepuppe, ist aber von einem anderen Hersteller. Auf dem Rücken verweist eine Marke auf Hong Kong. Der Puppentyp datiert in die 1960er Jahre wie auch die selbstgehäkelte Kleidung, die zwischen 1963/8 entstanden sein soll. Für Barbie oder das englische Pendant Sindy gab es spezielle Häkelanleitungen für Kleidung der damals aktuellen Mode. Die abgebildete Puppendame trägt Eigenkreationen der damaligen Besitzerin: einen lachsfarbenen Mantel mit Kunstperlenknöpfen, darunter einen ärmellosen Pullover und Rock. Unterkleid und weiße Schuhe gehören zur Originalausstattung. Als Accessoires trägt sie einen selbst gehäkelten Schal und einen blauen Hut. Zusätzlich hat die ehemalige Puppenmutter dem Museum noch ein gelbes Wollkleid überlassen. Die Puppe wurde im Museum der Kategorie Spielzeug zugeordnet, steht aber auch beispielhaft für Mode und Handarbeitstechniken. Unter diesem Aspekt war die Puppe auch an das Museum in Collenberg ausgeliehen, wo sie bis vor kurzem in einer Ausstellung über Handarbeit zu sehen war.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Metalldose

 
 
Metalldose - Inventarnummer 19974

Diese schöne Metalldose (Inventarnummer 19974) kam vor einiger Zeit in das Grafschaftsmuseum. Sie stammt aus dem Besitz von Anna Dyroff, geb. Maurath, vom Schafhof bei Bronnbach, und wurde von deren Tochter, Karin Küchler überbracht. Die etwa 12 cm breite Dose, die vermutlich als Schmuckkästchen benutzt wurde, ist aus Metall gegossen und innen mit Stoff ausstaffiert. Bei dem hellen Metall könnte es sich um Alpaka (Neusilber) handeln, das nach der silbrigen Fellfarbe des Lamas seinen Namen hat. Die schöne Verzierung im Neobarock-Stil verweist auf das Ende des 19. Jahrhunderts, als historisierende Formen in Mode waren. Das Besondere ist jedoch die Kartusche auf dem Deckel, die ein bekanntes Motiv zeigt: "Wertheim a M. / Alte Burg" ist die Abbildung betitelt. So lässt sich das Museumsstück nicht nur der Kategorie "Aufbewahrung" zuordnen, sondern auch dem umfangreichen Bestand an so genannten "Werthemia", also Andenkenartikeln aus Wertheim.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Plissé-Fächer

 
 
Plissé-Fächer - Inventarnummer 1405

So warm, dass man dieses Objekt derzeit brauchen könnte, ist es ja nicht gerade. Aber es ist ein hübsches Accessoire früherer Zeiten, das diesmal als Museumsstück vorgestellt werden soll. Dieser Plissé-Fächer (Inventarnummer 1405) kam schon 1905 durch Otto Langguth in die Sammlung des heutigen Grafschaftsmuseums, ist aber wegen der Empfindlichkeit auch nur vorübergehend ausgestellt. Der etwa 30 cm hohe Faltfächer ist aus bemaltem Papier gearbeitet und gehört zu einer Reihe dieser wertvollen Objekte in der Sammlung des Grafschaftsmuseums.

Meist bestanden Fächergestelle aus keilförmigen Stäben (wie hier aus Perlmutt oder Schildpatt, Elfenbein, Edelmetall, Holz), an deren oberen Seiten ein gefaltetes Blatt (Seide, Papier) montiert ist. Diese Blätter wurden oft kunstvoll bemalt. Liebespaare, Schäferszenen, idyllische Landschaften, Geschehnisse aus der antiken Mythologie und religiöse Darstellungen waren beliebte Motive im 18. Jahrhundert und wurden teilweise von bekannten Künstlern ausgeführt. Auch das abgebildete Objekt ist beidseitig mit Liebesszenen bemalt. Die Rückseite zeigt allegorische Gestalten am Altar der Liebesgöttin. Auch die Stäbe haben geschnitzte Schäferszenen.

Die ersten faltbaren Fächer kamen im frühen 16. Jahrhundert aus China nach Portugal und von dort aus nach ganz Europa. Die kulturelle Blüte des Fächers dauerte von Beginn des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts. Als Instrument der Koketterie entwickelte sich gar eine eigene Fächersprache. Mit der französischen Revolution kam auch die Fächerherstellung in Frankreich zum Erliegen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verdrängte der aufkommende Jugendstil Frankreich endgültig aus seiner Führungsrolle in der Fächerherstellung, zugunsten von Deutschland, England und Österreich mit seiner Wiener Werkstätte. Der Fächer sollte wieder Gebrauchsgegenstand werden und so änderten sich auch Muster und Materialien. Nach dem 2. Weltkrieg verschwand der Fächer als Mode-Accessoire vollends - lediglich in südlichen Ländern wird er noch gebraucht. Das abgebildete Objekt ist derzeit in der Ausstellung "J. W. Glaser und Wertheim im 18. Jahrhundert" zu bewundern. Leider hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen und eine aufwändige und kostspielige Restaurierung täte Not.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Bassetthorn

 
 
Bassetthörner- Inventarnummer 8755 a, b

Das heutige Museumsstück präsentiert sich in Einzelteilen und somit als Ratespiel. Es handelt sich um ein Musikinstrument, das sich schon lange in der Museumssammlung befindet. Bereits 1929 brachte es der damalige Pfarrer Schlegel aus Hasloch in die Altertumshalle in der Kilianskapelle, dem Vorläufer des Grafschaftsmuseums. Die beiden von ihm überbrachten Bassetthörner (Inventarnummer 8755 a, b) sind aus Buchsbaumholz und Messing um 1810 gefertigt. Hersteller war der in Fachkreisen berühmte Blasinstrumentenbauer Heinrich Grenser in Dresden. Das Bassetthorn ist eine Klarinettenart, die wohl um 1760 von dem Oboisten Anton Mayrhofer in Passau erfunden wurde. Die ab 1800 bei Grenser entwickelte Form zeichnet sich durch die in stumpfem Winkel ineinander gesteckten Röhren aus. Das Besondere und Neue daran ist, dass das Unterende des Bassetthornes dreimal geknickt und in ein buchförmiges Holzkästchen eingeschlossen ist. Mit Hilfe von "Bassettklappen" ist dieser Endteil dazu bestimmt, die tiefsten Töne aus dem Instrument zu locken. Das Bassetthorn zeichnet sich durch einen kühlen, dumpfen Klang aus. Das Grafschaftsmuseum bereitet derzeit eine Ausstellung über den Wertheimer Komponisten Johann Wendelin Glaser (1713-1783) vor, in der u. a. auch Instrumente der fürstlichen Hofkapelle aus dem 18. Jahrhunderts aus der Museumssammlung gezeigt werden.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Faschingskostüm

 
 
Clownskostüm in Kindergröße - Inventarnummer 7988

Das heutige Museumsstück brachte Hans Wehnert vor einigen Jahren zusammen mit ein paar Masken in das Grafschaftsmuseum. Das gelbe Clownskostüm in Kindergröße (Inventarnummer 7988) stammt aus den 1960er Jahren. Das Kostüm besteht aus drei Teilen – der Kragen ist abnehmbar – und ist aus verschiedenen Baumwollstoffen handgefertigt. Das Kostüm ist der schlichten Form mit großem Rundkragen nach eher an einem Harlekin oder Pierrot orientiert, Figuren, die ihren Ursprung in den Schauspieltruppen der commedia dell´arte hatten. Sicher gehörte auch eine runde Kappe oder ein spitzer Hut zu diesem Kinderkostüm. Heute werden eher bunt gemusterte, übergroße Clownskostüme bevorzugt, zu denen farbige Perücken getragen werden, so wie sie besonders aus dem rheinischen Karneval bekannt sind.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Heringsfass

 
 
Heringsfass - Inventarnummer 19845

Die Abbildung zeigt ein Heringsfass (Inventarnummer 19845), das aus dem Lebensmittelgeschäft Vers in Waldenhausen stammt und von Elfriede Rupp, geb. Vers, überbracht wurde. Es stammt aus dem 1920er Jahren und ist seit der Verpackungsausstellung im vergangenen Jahr Teil der Sammlung des Grafschaftsmuseums.
Holzfässer waren über die Jahrhunderte hinweg das Verpackungsmaterial, wenn es galt, Waren sicher und trocken zu transportieren. Man konnte sie rollen und aufstapeln. Sie garantierten, zumindest für einen bestimmten Zeitraum, die Haltbarkeit des Inhalts.
Fässer wurden für den Transport von festen Materialien wie Zement, Eisenwaren, Früchte und sogar Bücher verwendet und eher roh belassen. Dichte Fässer für flüssige Inhalte wurden auch zur Lagerung von Öl, Teer, Butter oder eben Salzheringen eingesetzt. So gab es in einer Stadt wie Wertheim, deren Schiffer vom Warentransport lebten, auch zahlreiche Büttner (= Küfer) die u. a. Holzfässer produzierten. Später stellte die Firma Dyroff in Bestenheid so genannte Packfässer her. Salzheringe, die durch eine Salzlake haltbar gemacht wurden, waren seit dem Mittelalter sehr verbreitet und durch ihre Lagerfähigkeit gerade im Winterhalbjahr ein wichtiges Nahrungsmittel.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Muff

 
 
Pelzmuff - Inventarnummer 20328

Eine schöne Pappschachtel bekam das Grafschaftsmuseum von Irmtraud Krebs aus Stadtprozelten, die sie wiederum aus einem Nachlass aus Gemünden bekam. Die Schachtel hat aber auch noch den Originalinhalt, nämlich einen Pelzmuff (Inventarnummer 20328). Der runde Handwärmer aus schwarz-braunem (Kaninchen?)-Fell war ein typisches Accessoire der Zeit um 1900 und wurde an einem Band um den Hals getragen. Auch die runde Pappschachtel weist in diese Zeit. Auf dem Deckel befindet sich der Hinweis auf den Hersteller. In goldener Schrift steht hier der Name des Kürschnermeisters K. Huber, der sich im Kürschnerhof in Würzburg befand. Das Wort "Muff" leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Pelzhandschuh ("muffula") ab. Diese Röhrenform war in Europa seit dem 16. Jahrhundert populär für Handwärmer und wurde ursprünglich auch von Männern getragen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts vom Handschuh weitgehend abgelöst, ist der Muff - da Moden ja gern zurückkehren – gerade in dieser Saison wieder sehr "in".

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Reuse / Fischereizubehör

 
 
Reuse - Inventarnummer 20325

Anlässlich der Ausstellung "Wertheim am Wasser" kamen einige Neuzugänge in die Fischereiabteilung des Grafschaftsmuseums. So brachte Horst Weid aus Wertheim u. a. eine Reuse. Eine schon im Bestand vorhandenen Reusenkorb, versah er mit historischem Drahtgeflecht, wie es früher benutzt wurde. Die abgebildete Reuse (Inventarnummer 20325) ist für den Gebrauch in Stillwasser vorgesehen, das heißt, nicht in der Strömung. Gefangen werden damit z. B. Aale, Köderfische und Krebse.

Auch wenn die "Wasserausstellung" offiziell zu Ende ist, sind doch einige Objekte und historische Fotos zu Brunnen, Brücken, Fähren, Hochwasser und Wassersport noch zu sehen. Ebenso die Fischereiabteilung, die zu den ständigen Einrichtungen des Museums gehört.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 
 

Bleikugelgusszange / Fischereizubehör

 
 
Bleikugelgussform - Inventarnummer 20383

Verschiedene Objekte zur Fischerei in Wertheim brachte kürzlich Wilhelm Herz in das Grafschaftsmuseum. Zu den abgebildeten Objekten gehört auch noch eine Pfanne, in der Blei erhitzt wurde. Daraus erklärt sich auch die Anwendung der abgebildeten Werkzeuge. Mit ihnen konnten nämlich Bleikugeln geformt werden, indem das flüssige Blei mittels des Löffels in die zangenartige Bleikugelgussform (Inventarnummer 20383) gegossen wurde. Die Bleikugeln wurden dann mit dem abgebildeten Dorn durchstochen, um ein Loch zu erhalten, an dem man das Blei an einem Fischernetz befestigen konnte. Diese Bleikugeln wurden in großer Zahl benötigt, da mit ihnen z. B. Stellnetze oder sogenannte Drehkutschen beschwert wurden. Während Schwimmer aus Kork für den Auftrieb und die Öffnung des Netzes sorgen, wurden und werden Bleigewichte zur Netzbeschwerung verwendet. In Wertheim wurden in Stellnetzen vor allem Barsche, Zander, Hechte und Weißfische gefangen. Drehkutschen, bei denen ein Netz an einer Stange befestigt ist, wurden für die Barbenfischerei eingesetzt. Weitere Objekte der Wertheimer Fischer sind in der Fischereiabteilung des Museums zu sehen, die auch Teil der derzeitigen Sonderausstellung "Wertheim am Wasser" ist.

Text: Dr. Constanze Neuendorf
Fotos: Kurt Bauer

 
 

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