Einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen, das würde doch jeder gerne mal tun oder? Genau das durfte ich als Praktikantin im Grafschaftsmuseum in den letzten fünf Wochen erleben. Mein Name ist Christina Reinheckel und im Rahmen meines Studiums der Museologie an der Universität Würzburg habe ich einen Teil meines Pflichtpraktikums hier im Museum absolviert. Dabei konnte ich erste Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen der musealen Arbeit sammeln – von Inventarisation über Ausstellungsgestaltung bis hin zur Museumspädagogik war alles dabei. Wenn Sie sich wie meine Mutter jetzt fragen, was man denn unter Inventarisation versteht oder welche Aufgaben für eine Praktikantin im Museum eigentlich so anfallen, kann ich Abhilfe leisten. Ich möchte nun kurz aus meinen Erfahrungen der letzten Woche berichten, damit auch Sie einen kleinen Einblick in den Alltag im Grafschaftsmuseum bekommen.

In meinen ersten zwei Wochen durfte ich direkt in den Bereich der Inventarisation eintauchen. Bei der Inventarisation werden Objekte, die das Museum erworben oder geschenkt bekommen hat, dokumentiert und in eine digitale sowie analoge Datenbank eingepflegt. Dabei wird das Objekt beschrieben, ausgemessen, die dahintersteckende Geschichte sowie die Zugangsart festgehalten, eine Inventarnummer vergeben und ein Foto gemacht. Im Anschluss wird das Objekt noch mit der Inventarnummer versehen, damit es später auch identifiziert werden kann. Ich durfte eine Reihe verschiedener Textilien inventarisieren, sowie mein persönliches Highlight: ein Notgeld-Album aus den Jahren 1921/1922. In dieser Zeit wurde die Museums-Kamera mein treuer Begleiter, denn es verging kein Tag ohne sie.

Parallel dazu bekam ich die Aufgabe alte Figurinen zu entkleiden, welche in der ehemaligen Ausstellung über die Tracht von Vertriebenen aus Ungarn standen. Das war etwas anstrengend, denn die Figurinen waren in mehreren Lagen von Röcken gekleidet und auch der 30 Jahre alte Styropor bröselte mir entgegen. Danach mussten die Kleidungsstücke noch mit ihren Inventarkarten abgeglichen werden, dabei konnte ich viel Interessantes über die Geschichte und Traditionen der Vertriebenen hier in Wertheim lernen. Gleichzeitig musste ich aber auch feststellen, dass bei den Inventarkarten Fotos fehlten. Also wurde mein treuer Begleiter die Kamera wieder ausgepackt und alles einmal abgelichtet. In den beiden Bildern am Seitenanfang können Sie mich bei dieser Arbeit sehen.

Danach ging es für mich in einen weiteren Arbeitsbereich im Museum: das Erstellen von Ausstellungen und Museumspädagogischen Angeboten. Im Rahmen der kommenden Kinderausstellung HaZweiOohh durfte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und mir ein paar spannende Experimente mit Wasser überlegen. Gleichzeitig durfte ich aber auch an einem zusätzlichen Ausstellungsteil über Wasserflöhe arbeiten, welcher dann in die Hauptausstellung integriert werden wird. Das war eine der spannendsten Aufgaben für mich, da mir gerade die Museumspädagogik und das Arbeiten mit Kindern sehr am Herzen liegt und ein großer Interessenschwerpunkt für mich ist. Ich musste aber auch feststellen, dass das Konzipieren von Ausstellungen und Führungen sehr viel Zeit in Anspruch nimmt! Genau genommen fast drei Wochen!

Zwischendurch fielen natürlich noch andere kleinere Arbeiten an. Das Einscannen von Wertheimer Zeitungen aus dem Jahr 1882, das Streichen eines Geländers, die Umgestaltung eines Ausstellungsraumes, Überlegungen zu Eintrittspreisen, Dreharbeiten mit einer Drohne und auch bei einer Tagung des bayrischen Landesverbandes für Museumspädagogik durfte ich unsere Museumsleitung und eine weitere Mitarbeiterin begleiten. Dafür ging es in drei Stunden entfernte Straubing und wir durften lehrreichen Vorträgen und Vorstellungen zum Thema Spiel im Museum beiwohnen.

Wie Sie sehen, fünf Wochen Praktikum lassen sich gut und schnell mit viel Arbeit füllen! Der Alltag im Museum ist zudem ein sehr vielschichtiger mit vielen verschiedenen Aufgaben, die sich ständig abwechseln und kein Tag gleicht dem anderen. Langweilig wird einem dabei definitiv nicht! Meine Zeit im Grafschaftsmuseum neigt sich nun leider dem Ende zu, aber ich durfte wirklich viel erleben. Ich konnte viele Einblicke in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche werfen und habe auch sehr viele Möglichkeiten bekommen, mich selbst auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Vielen Dank an das Team des Grafschaftsmuseum für diese tolle und lehrreiche Zeit!